FLIEG GEDANKE GETRAGEN VON SEHNSUCHT

Nach christlichem Verständnis gehören Glaube und Freiheit untrennbar zusammen. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, ist die zentrale Botschaft Jesu im Johannesevangelium (Joh 8,32). „Und zur Freiheit hat euch Christus befreit“, lautet einer der Spitzensätze der Verkündigung des Apostels Paulus (Gal 5,1).

Denn in der Freiheit des Glaubens an Gott gewinnt unser Leben einen offenen Horizont, den selbst der Tod nicht zustellen und verdunkeln kann. Dass Martin Luther – dessen Aufruf zur Freiheit sich nächstes Jahr zum 500sten Mal jährt – gesagt haben soll, er würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen, auch wenn Morgen die Welt unterginge, ist zwar eine Legende, aber es ist eine im Geiste der Freiheit des Christenmenschen gut erfundene Legende, denn Hoffnung ist der Motor über die Gegenwart hinaus zu denken.

Auf unserer Erde gibt es soviel Unfreiheit, die einen Todesschatten auf das Leben viel zu vieler Menschen wirft. Angesichts dessen legen viel zu viele Menschen im privaten und öffentlichen Leben resigniert die Hände in den Schoß. Die Freiheit des Glaubens aber resigniert nicht. Denn Menschen, die von Geist dieser Freiheit erfüllt sind, können es nicht lassen, Neues zu beginnen, weil sie daran glauben, dass Veränderung möglich ist.

Der Beter von Psalm 124,7 beschreibt das mit einem anschaulichen Bild:

Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netz des Vogelfängers;
das Netz ist zerrissen und wir sind frei.
Psalm 124,7

Nabucco – in dieser Oper von Giuseppe Verdi geht es um die Sehnsucht und das Streben des jüdischen Volkes, dem Netz der Unterdrückung und Unfreiheit zu entkommen … Der Gefangenchor singt:

Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht,
lass` dich nieder in jenen Gefilden,
wo in Freiheit wir glücklich einst lebten,
wo die Heimat uns`rer Seele ist.

24.04.2016St. Julian, evangelische StadtkircheGerhard Müller spielt auf der Stumm-Orgel> Gefangenchor aus Nabucco von Verdi

Gepostet von Horst Bayer am Montag, 25. April 2016

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